{"id":1063,"date":"2024-07-07T20:55:35","date_gmt":"2024-07-07T20:55:35","guid":{"rendered":"https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/?p=1063"},"modified":"2024-07-07T21:01:16","modified_gmt":"2024-07-07T21:01:16","slug":"selten-bloder-artikel-von-henrik-muller-wie-sparpolitik-und-brexit-grosbritannien-heruntergewirtschaftet-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/selten-bloder-artikel-von-henrik-muller-wie-sparpolitik-und-brexit-grosbritannien-heruntergewirtschaftet-haben\/","title":{"rendered":"Selten bl\u00f6der Artikel von Henrik M\u00fcller: Wie Sparpolitik und Brexit Gro\u00dfbritannien heruntergewirtschaftet haben"},"content":{"rendered":"<p>Wie <a href=\"https:\/\/archive.is\/Sfvlt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sparpolitik und Brexit Gro\u00dfbritannien heruntergewirtschaftet<\/a> haben.<\/p>\n<blockquote><p>Henrik M\u00fcller ist Professor f\u00fcr wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universit\u00e4t Dortmund, wo er spezialisierte Wirtschaftsjournalismus-Studieng\u00e4nge leitet.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin Wirtschaftsproktologe und wir werden uns das ganz tief anschauen und mal schauen, ob wir da nicht ein bisschen mehr &#8220;beef&#8221; liefern k\u00f6nnen, statt nur Geschwurbel.<\/p>\n<blockquote><p>Der Schock von 2008\/2009 [Die gro\u00dfe Rezession] sa\u00df tief. In Gro\u00dfbritannien war ganz deutlich, dass die konservativen Tories nach ihrer Regierungs\u00fcbernahme 2010 letztlich kaum eine Vorstellung von Britanniens Weiterentwicklung hatten. Es gab keine Vision, keine Strategie, keinen Plan \u2013 au\u00dfer irgendwie die Schulden in den Griff zu bekommen.<\/p>\n<p>Der historischen Gerechtigkeit halber muss man sagen: Bei der Amts\u00fcbernahme der Konservativen war die Haushaltslage tats\u00e4chlich dramatisch. Unmittelbar nach der Finanzkrise von 2008 und 2009, die am Banken- und B\u00f6rsenplatz London besonders gew\u00fctet hatte, war der Staatshaushalt dramatisch ins Minus gerutscht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun, das ist nat\u00fcrlich richtig. Es wurde immer die hohe Staatsverschuldung Deutschlands, im Vergleich zum Vereinigten K\u00f6nigreich, herausgestellt. Was ist w\u00e4hrend der Krise passiert?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1064\" src=\"https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/uk-ggd-oecd-1024x634.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/uk-ggd-oecd-1024x634.png 1024w, https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/uk-ggd-oecd-300x186.png 300w, https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/uk-ggd-oecd-768x475.png 768w, https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/uk-ggd-oecd.png 1081w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Man sieht, dass die Schulden durch die Krise 2008 von unter 60 Prozent auf \u00fcber 120 Prozent hochgeschnellt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Einer OECD-Analyse zufolge bremsten die Tories in den Zehnerjahren bei allen m\u00f6glichen Ausgabenkategorien: Arbeitsmarktpolitik, Wohnungsbau, Umweltschutz, Bildung, \u00f6ffentliche Sicherheit, Verteidigung, Freizeiteinrichtungen. Bei der Gesundheitsversorgung und beim \u00f6ffentlichen Transport hielten sie die Ausgaben in Relation zum BIP in etwa konstant. Die staatliche Investitionsquote sank weit unter den Durchschnitt der Vergleichsl\u00e4nder. Nur bei Wissenschaft und Forschung gaben die Konservativen merklich mehr aus.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das mag sicher richtig, sein, es bleibt die Frage, was die Alternative gewesen w\u00e4re? Im Prinzip kann diese Sparpolitik auch als Ursache des Brexit gesehen werden. <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/26807870\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Did Austerity Cause Brexit?<\/a> Thiemo Fetzer<\/p>\n<p>So weit kann man Prof. Henrik M\u00fcller durchaus zustimmen. Irgendwas mit Krise und Schulden, Austerit\u00e4tspolitik und Brexit.\u00a0 Die Schlussfolgerung des Artikels steht ganz am Anfang:<\/p>\n<blockquote><p>Vergammelte Innenst\u00e4dte, schlecht ausgestattete Krankenh\u00e4user: Nach 14 Jahren konservativer Herrschaft ist Gro\u00dfbritannien kaputtgespart \u2013 und immer noch hoch verschuldet. Der EU-Austritt hat die Misere nur verschlimmert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Also ganz schlimm diese Konservativen. Die haben Gro\u00dfbritannien kaputt gemacht. Von jemand, der<a href=\"https:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/fileadmin\/user_data\/stiftung\/02_Wissenschaftsportal\/03_Publikationen\/AP67_wipo_Berichterstattung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Studien<\/a> f\u00fcr die Otto-Brenner-Stiftung, eine gemeinn\u00fctzigen Stiftung des b\u00fcrgerlichen Rechts der Gewerkschaft IG Metall macht, kann man wohl nichts anderes erwarten. Ich stimme aber zu, dass der Brexit aus \u00f6konomischer Perspektive vermutlich falsch war. Aber so weit zur Analyse. Und tats\u00e4chlich sieht es nicht gut aus in der UK:<\/p>\n<p>&#8220;<a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2024\/07\/02\/broken-britain\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Broken Britain<\/a>&#8220;:Die britische Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich in einer tiefen Krise. Der Artikel beschreibt den Niedergang Gro\u00dfbritanniens in den letzten Jahrzehnten und analysiert die Gr\u00fcnde daf\u00fcr:<\/p>\n<ul class=\"list-disc pl-8\">\n<li>Sinkende Produktivit\u00e4t und Investitionen im Vergleich zu anderen G7-L\u00e4ndern<\/li>\n<li>Wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Verm\u00f6gen<\/li>\n<li>Verschlechterung der \u00f6ffentlichen Dienstleistungen und des Gesundheitssystems<\/li>\n<li>Hohe Armut und stagnierende Lebenserwartung<\/li>\n<li>Zunehmende Abh\u00e4ngigkeit von US-Unternehmen und Finanzsektor<\/li>\n<li>Negative Auswirkungen des Brexits auf Handel und Wirtschaft<\/li>\n<\/ul>\n<p>Doch gehen wir etwas weiter zur\u00fcck und erinnern uns. Gro\u00dfbritannien war der kranke Mann Europas und dann kam Margaret Thatcher, machte Reformen und Gro\u00dfbritannien stieg wieder zu einer f\u00fchrenden Wirtschaftsmacht aus, zumindest wird und das so erz\u00e4hlt. Jetzt aber wollen wir mal einen Blick auf die Erd\u00f6lf\u00f6rderung in der UK werfen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1066\" src=\"https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/UK_Oil_Production-1024x683.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/UK_Oil_Production-1024x683.png 1024w, https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/UK_Oil_Production-300x200.png 300w, https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/UK_Oil_Production-768x512.png 768w, https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/UK_Oil_Production-1536x1024.png 1536w, https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/UK_Oil_Production.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Und darauf basierend m\u00f6chte ich eine ganz neue Interpretation geben. Der Aufstieg der UK vom kranken Mann Europas basierte eben bei weitem nicht nur auf den Reformen von Thatcher, die waren vielleicht sogar nur nebens\u00e4chlich. Vielmehr war es die Kombination von drei Dingen:<\/p>\n<ol>\n<li><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Thatcherismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Reformen<\/a> von Margaret Thatcher.<\/li>\n<li>Der Fund und die F\u00f6rderung gigantischer Erd\u00f6lmengen<\/li>\n<li>Der Beitritt zur EU, bzw. zum damaligen Vorg\u00e4nger, der EG.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Sicherlich hat GB ein \u00fcberlegenes Rechtssystem (common law), eine extrem stabile Demokratie und fantastische Universit\u00e4ten. Aber im Prinzip kann man den Erfolg von damals einfach kopieren. Man muss nur einem gro\u00dfen Markt beitreten, der vor der Haust\u00fcr liegt und Unmengen von \u00d6l finden. Auf jeden Fall ging dieser \u00d6lreichtum irgendwann zu Ende und das ausgerechnet in einer Zeit, als es zur Finanzkrise kam, welche die UK als stark finanzorientiert Wirtschaft v\u00f6llig \u00fcberproportional getroffen hat. Die anschlie\u00dfende Austerit\u00e4tspolitik war vermutlich ausschlaggebend f\u00fcr den Brexit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die folgende Grafik zeigt, dass das BSP pro Kopf in GB quasi stagniert und kaum noch w\u00e4chst.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-1065\" src=\"https:\/\/expatcircle.com\/cms\/de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/uk_gdp_per_capita.gif\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"390\" \/><\/p>\n<p>Wobei die Grafik noch optimistisch sein d\u00fcrfte. Denn um Wachstum zu messen, muss man die Inflation kennen, die notorisch schwer zu messen ist. In Industrielastigen L\u00e4ndern wie China kann man ggf. pr\u00fcfen, ob der Energieverbrauch w\u00e4chst und ob dies mit den Daten korreliert. Au\u00dferdem gibt es auch Zweifel, wie <a href=\"https:\/\/www.independent.co.uk\/news\/business\/comment\/city-eye-facts-on-a-plate-our-population-is-at-least-77-million-5328454.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">viele Einwohner GB \u00fcberhaupt hat<\/a>. Die Zahlen k\u00f6nnten also noch deutlich schlechter sein. Es sei auch angemerkt, dass GB extrem auf Lebensmittelimporte angewiesen ist. 2020 wurden <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/statistics\/united-kingdom-food-security-report-2021\/united-kingdom-food-security-report-2021-theme-2-uk-food-supply-sources\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">46% aller Lebensmittel importiert<\/a>.\u00a0 Das Land kann sich also nicht alleine Ern\u00e4hren. So etwas ist keine gute Ausgangslage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fakt ist, die Probleme von GB liegen tief und sind sicher nicht durch ein paar Reformen und etwas Investitionen zu l\u00f6sen.\u00a0 Es wird sicher spannend werden. Generell sollte man f\u00fcr solche F\u00e4lle immer einen Plan B haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Sparpolitik und Brexit Gro\u00dfbritannien heruntergewirtschaftet haben. Henrik M\u00fcller ist Professor f\u00fcr wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universit\u00e4t Dortmund, wo er spezialisierte Wirtschaftsjournalismus-Studieng\u00e4nge leitet. &nbsp; Ich bin Wirtschaftsproktologe und wir werden uns das ganz tief anschauen und mal schauen, ob wir da nicht ein bisschen mehr &#8220;beef&#8221; liefern k\u00f6nnen, statt nur Geschwurbel. 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