Amoraler Familismus: Warum Integration von Flüchtlingen aus manchen Drittweltländern so schwerfällt

Ein altes Buch aus den 1950er Jahren liefert bis heute eine der schärfsten – und umstrittensten – Erklärungen für gesellschaftliche Rückständigkeit und Integrationsprobleme: Edward C. Banfields The Moral Basis of a Backward Society.

Banfield beschrieb damals ein süditalienisches Dorf, in dem das Leben von extremem Familismus geprägt war. Die Loyalität gilt fast ausschließlich der eigenen Kernfamilie (oder dem engen Clan). Moralische Regeln wie Ehrlichkeit, Fairness oder Hilfsbereitschaft gelten vor allem innerhalb dieser kleinen Gruppe. Gegenüber Außenstehenden zählt oft nur der eigene Vorteil. Das Ergebnis: Misstrauen, Neid, fehlende Zusammenarbeit und eine Gesellschaft, die kaum in der Lage ist, gemeinsame Probleme zu lösen.

Parallelen zu Flüchtlingen aus Drittweltländern

Viele Beobachter sehen ähnliche Muster bei Migranten und Flüchtlingen aus Teilen des Nahen Ostens, Nordafrikas, Afghanistans, Teilen Subsahara-Afrikas oder Südasiens. In vielen dieser Herkunftsgesellschaften sind Clan-Strukturen, Großfamilien und tribale Loyalitäten extrem stark ausgeprägt. Der Staat gilt oft als fern, korrupt oder feindlich – die eigene Familie oder Ethnie ist die einzige verlässliche Schutzeinheit.

Das kann in der Praxis bedeuten:

  • Starke Solidarität innerhalb der eigenen Gruppe (Familie, Clan, Dorf).
  • Gleichzeitig geringere Bereitschaft, sich mit den Normen der Aufnahmegesellschaft zu identifizieren.
  • Höhere Neigung zu Parallelgesellschaften, in denen eigene Regeln (z. B. bei Konfliktlösung, Geschäften oder „Beute“ aus dem Sozialstaat) gelten.
  • Schwierigkeiten bei der Bildung von „sozialem Kapital“ mit der Mehrheitsgesellschaft.