Verlieren karibische „Goldene Pässe“ bald ihren Reiz?

Jahrelang galt eine Staatsbürgerschaft durch Investition in der Karibik als eine der attraktivsten, wobei ich eher sage eine der billigsten Möglichkeiten, einen zweiten Pass zu erhalten. Ob es um mehr Reisefreiheit, finanzielle Sicherheit oder einfach einen Plan B ging – Tausende Investoren entschieden sich für die Staatsbürgerschaft in Ländern wie Antigua und Barbuda, Dominica, Grenada, St. Kitts und Nevis oder St. Lucia.

Doch das könnte sich schon bald ändern.

Die Europäische Union hat diesen fünf Staaten mitgeteilt, dass sie ihre Programme zur Staatsbürgerschaft durch Investition bis Juni 2028 auslaufen lassen sollen. Andernfalls droht ihnen der Verlust des visafreien Zugangs zum Schengen-Raum. Zwar stehen noch Verhandlungen bevor, doch die Ankündigung sorgt bereits jetzt für Unsicherheit bei allen, die mit dem Gedanken spielen, einen solchen Pass zu beantragen.

Warum greift die EU ein?

Nach Ansicht der Europäischen Kommission sollte eine Staatsbürgerschaft mehr sein als ein Produkt, das gegen eine Investition erworben werden kann. Sie soll eine echte Verbindung zu einem Land widerspiegeln.

Zwar haben die karibischen Staaten ihre Sicherheitsstandards in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Hintergrundprüfungen wurden verbessert, biometrische Verfahren eingeführt und der Informationsaustausch zwischen Behörden intensiviert. Dennoch sieht Brüssel weiterhin Risiken. Die EU befürchtet, dass solche Programme Geldwäsche, Identitätsbetrug oder die Umgehung von Visavorschriften erleichtern könnten.

Die betroffenen Staaten weisen diese Kritik zurück. Sie betonen, dass ihre Programme heute zu den am strengsten kontrollierten weltweit gehören und sich nicht wesentlich von anderen Investitions- oder Aufenthaltsprogrammen unterscheiden, die auch in größeren Ländern existieren.

Warum sind diese Programme so beliebt?

Für die meisten Antragsteller geht es gar nicht darum, dauerhaft in die Karibik auszuwandern.

Ein zweiter Pass bietet Unternehmern, Rentnern, digitalen Nomaden und international tätigen Familien mehr Flexibilität. Mit einem karibischen Reisepass lassen sich derzeit mehr als 140 Länder und Territorien ohne Visum oder mit Visa on Arrival bereisen. Das erleichtert Geschäftsreisen ebenso wie private Reisen erheblich.

Hinzu kommt, dass der Weg zur Staatsbürgerschaft vergleichsweise unkompliziert ist. In den meisten Fällen müssen Antragsteller weder dauerhaft im Land leben noch mehrere Jahre auf die Einbürgerung warten. Genau diese Kombination aus Schnelligkeit, einfacher Abwicklung und internationaler Mobilität hat die Programme in den vergangenen Jahren so erfolgreich gemacht.

Eine wichtige Einnahmequelle für kleine Inselstaaten

Für die betroffenen Länder sind diese Programme weit mehr als nur ein Einwanderungsmodell. Sie stellen eine zentrale Einnahmequelle dar.

Ein erheblicher Teil der staatlichen Einnahmen stammt aus den Investitionen der Antragsteller. Mit diesem Geld wurden nach Naturkatastrophen Straßen und Gebäude wieder aufgebaut, Krankenhäuser modernisiert, Schulen finanziert und wichtige Infrastrukturprojekte umgesetzt. Gerade kleine Inselstaaten verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten, vergleichbare Einnahmen auf anderem Wege zu erzielen.

Die Regierungen argumentieren daher, dass ein Ende der Programme ohne tragfähige Alternativen erhebliche wirtschaftliche Folgen hätte und wichtige Entwicklungsprojekte gefährden würde.

Der internationale Druck nimmt zu

Die Europäische Union ist mit ihrer Haltung nicht allein.

In den vergangenen Jahren haben mehrere westliche Staaten ihre Regeln verschärft. Das Vereinigte Königreich verlangt inzwischen Visa von Staatsangehörigen aus Dominica und St. Lucia. Kanada hatte bereits früher die Visafreiheit für Antigua und Barbuda aufgehoben. Auch die Vereinigten Staaten arbeiten inzwischen enger mit den karibischen Behörden zusammen und haben ihre Sicherheitsanforderungen deutlich erhöht.

Der Trend ist eindeutig: Weltweit legen Regierungen heute wesentlich größeren Wert auf Sicherheitsprüfungen und die Herkunft des investierten Vermögens als noch vor zehn Jahren.

Wie geht es nun weiter?

Kurzfristig ändert sich zunächst nichts.

Die Regierungen der fünf betroffenen Staaten wollen Gespräche mit der Europäischen Union führen. Bis zum Jahr 2028 bleibt genügend Zeit, um möglicherweise einen Kompromiss zu finden.

Ob die Programme vollständig eingestellt werden, lediglich strengere Auflagen erhalten oder die EU ihre Position noch einmal überdenkt, ist derzeit offen.

Für bereits eingebürgerte Investoren besteht momentan kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Wer allerdings hauptsächlich wegen der visafreien Einreise nach Europa einen karibischen Pass erwerben möchte, sollte die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen.

Lohnt sich eine karibische Staatsbürgerschaft noch?

Das hängt ganz von den persönlichen Zielen ab.

Wer ausschließlich einen Pass für möglichst unkompliziertes Reisen innerhalb Europas sucht, wird die aktuelle Entwicklung sicherlich genau beobachten. Viele Antragsteller verfolgen jedoch deutlich umfassendere Ziele.

Eine zweite Staatsangehörigkeit kann zusätzliche Sicherheit bieten, internationale Geschäftsaktivitäten erleichtern, die Nachlassplanung vereinfachen und im Krisenfall wertvolle Optionen eröffnen. Diese Vorteile bleiben auch dann bestehen, wenn sich einzelne Visaabkommen künftig ändern sollten.

 

Die Programme zur Staatsbürgerschaft durch Investition haben sich für mehrere karibische Staaten zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Gleichzeitig wächst der politische Druck aus Europa und anderen westlichen Ländern.

Ob die sogenannten „Goldenen Pässe“ langfristig in ihrer heutigen Form bestehen bleiben, ist noch ungewiss. Sicher ist jedoch, dass internationale Programme zur Investitionseinwanderung künftig strengeren Kontrollen unterliegen werden.

Für Expats, Unternehmer und Menschen mit internationalem Lebensstil zeigt diese Entwicklung vor allem eines: Internationale Mobilität verändert sich ständig. Ein zweiter Pass kann nach wie vor eine sinnvolle Investition sein. Wer sich dafür interessiert, sollte die verschiedenen Programme jedoch sorgfältig vergleichen und die politischen Entwicklungen aufmerksam verfolgen.

 

Ich persönlich war nie ein großer Fan speziell dieser Staatsbürgerschaftsprogramme, sie schaffen mehr Probleme als sie lösen. Ein Teil der Probleme hat Kenneth Rijock in seinem Blog beschrieben.  Letztendlich hängt ihre Sinnhaftigkeit jedoch davon ab, welches Problem Sie lösen möchten und welches Budget Ihnen dafür zur Verfügung steht. Jede Situation ist anders. Deshalb lohnt es sich, die verschiedenen Möglichkeiten sorgfältig abzuwägen und eine Lösung zu wählen, die zu Ihren persönlichen und finanziellen Zielen passt.

Sprechen Sie mit uns. Wir beraten Sie gerne zu den verfügbaren Optionen und entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösung.

 

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